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Freitag, 4. Juli 2008

Oh je!

Vic, unser Schwimm-Ass macht weiterhin gute Fortschritte. Die Schwimmzüge gehen allmählich "automatisch", ohne dass er sich voll darauf konzentrieren muss. Mittwoch waren wir noch in der Halle, das ist für ihn besser, weil da keine Leute sind und ihm niemand in die Bahn schwimmt oder kreuzt. Und gestern haben wir es dann zum ersten Mal draußen probiert.

Klar, das war natürlich was anderes - aber es ging gar nicht schlecht. Vic muss halt lernen, auch mal einen Bogen zu schwimmen oder kurz auf der Stelle zu warten, wenn jemand von der Seite kommt und ihn kreuzt. Alles Dinge, die man eigentlich ganz automatisch macht, ohne viel darüber nachzudenken… aber ihn bringt das für den Moment dann noch total aus dem Rhythmus. Aber wie gesagt - es geht jeden Tag besser.

Hinterher haben wir uns dann draußen noch ein bisschen hingelegt - und natürlich haben ein paar Mädels, die ein bisschen weiter weg lagen, gleich angefangen, mit uns zu flirten. Haben Blicke rübergeworfen, vielsagend gelächelt, rumgekichert - das bekannte Programm halt. Und hübsch waren sie auch, das muss man schon sagen.

Chris meinte dann irgendwann zu Vic: "Schau doch mal, die Rothaarige… die steht anscheinend wirklich auf dich. Die guckt ständig nach dir… geh doch einfach mal rüber und sprich sie an!" - "Nein, mache ich nicht!" "Gefällt sie dir nicht? Sieht doch gut aus!"

Und als Antwort kam von Vic erst mal eine Zeitlang gar nichts - und dann leise: "Ist mir egal, ich will keine von denen. Ich will - Lynn! Sonst keine!"

Scheiße. Lynn. Seine Ex. Die Mutter vom kleinen Vic!

Anschließend dann: "Ihr wisst schon so viel von mir, ich geh jetzt einfach davon aus, dass ihr das jetzt auch für euch behaltet! Am besten vergesst ihr es gleich wieder. Sie hat einen Ehemann, mit dem sie glücklich ist, und der zudem auch noch ein ziemlich netter Kerl ist, so richtig in Ordnung. Und selbst wenn sie allein wäre - der Zug ist abgefahren. Ich hab es vermasselt damals, mit mir würde sie nie mehr was anfangen. Ich bin ihr schon lange egal. Vergesst das Thema!"

Wir haben nicht mehr weiter darüber geredet, aber Chris hat mir einen kurzen Blick zugeworfen, und ich wusste, dass er gerade an dasselbe dachte wie ich. Nämlich an eine Frau, die uns - als relativ Fremde - damals gefragt hat, warum wir mit ihrem Ex-Mann befreundet seien und ob wir es wirklich ehrlich mit ihm meinten, weil er unbedingt ehrliche Freunde brauche, die ein bisschen auf ihn aufpassen…

Wie das wohl weitergeht?

Mittwoch, 2. Juli 2008

Schwimmen die zweite!

Gestern hat das Schwimmen mit Vic schon erheblich besser geklappt.

Als er kam, hat er zuerst mal rumgemosert, dass er eigentlich gar keine Lust hat… und Muskelkater… und überhaupt… *gg*. Ich hab ganz locker geantwortet, dass es nicht schlimm ist, wir könnten ja auch was anderes machen - etwas trinken gehen oder in den Bikershop - aber das gefiel ihm dann auch nicht *lach*. "Nee, verdammt, das geht nicht - dann lerne ich es ja nie!" - "Yepp, stimmt!" ;-)

Vor Ort waren wir dann allerdings echt überrascht, wie viel besser es schon lief (ich glaube, er war selbst am meisten überrascht *g*). Er ist mit seinem Schwimmbrett ganz problemlos mehrmals von einer Seite des Beckens zur anderen geschwommen. Ohne das Brett klappte es dann allerdings nicht, weil er die Bein- und Armbewegungen nicht richtig aufeinander abstimmen konnte. Und es ist gar nicht so einfach, das jemandem zu erklären - wenn man schwimmen kann, macht man es ja ganz automatisch.

"Unser" Bademeister kam uns irgendwann zu Hilfe (ich glaube, der war froh, dass er was zu tun hatte, außer uns war nämlich wieder kein Mensch in der Halle). "Wo fehlt's?" - "An der Abstimmung Arme/Beine!" "Ok"… (zu Chris) "nimm du ihn mal mit beiden Händen um die Taille und halt ihn fest" (hehehe, sorry, Vic *gg*)... und (zu Vic) "ich geb dir jetzt den Rhythmus vor, genau so bewegst du dich, ok?" Und dann zählte er ihm immer und immer wieder vor - es klang ungefähr so "Arme - durch - Beine - los!" Und der arme Vic bemühte sich und ruderte und "paddelte" *smile*.

Irgendwann gab der Bademeister (inzwischen hatten wir erfahren, dass er Michael heißt) Chris ein Zeichen "loslassen" - und Vic, völlig konzentriert auf seinen Rhythmus, schoss davon und machte drei oder vier richtig gute Schwimmzüge nach vorne, bevor er überhaupt bemerkte, was los war (anschließend ging er natürlich erst mal unter vor lauter Überraschung *fg*). Und war hinterher ganz überwältigt. ;-)

Ja, Michael meinte dann zu uns: "Genau so geht's… jetzt schwimmt ihr schön nebeneinander her von einer Seite zur anderen und zählt immer mit - so lange, bis Vic den Takt heute Nacht im Schlaf noch zählt! Alles andere ist nur noch Übung und Ausdauer. Und Vic, wenn du auf halber Strecke schlapp machst, halt dich an einem der beiden fest oder leg dich einfach ganz gerade auf den Rücken - das Wasser trägt dich!" Vic, ganz fasziniert: "Und das ist alles? Mehr kommt nicht?" - "Doch, natürlich… wenn du das kannst, üben wir Rückenschwimmen und Butterfly und Delphin…" Und verschwand grinsend in seiner Kabine. ;-)

Wir sind dann noch ein paar Mal hin- und hergeschwommen… bei voller Konzentration schaffte er es, ein paar Mal ist er aber auch aus dem Takt gekommen und untergegangen. Das Gute ist, er hat keine Angst vor dem Wasser, er schimpft und flucht dann nur. Aber wir sind zuversichtlich - wenn dieser Kerl etwas wirklich will, zieht er es anscheinend durch, und zwar mit Erfolg!

In drei Wochen wird er mit Vic Junior im See rumtoben! :-)

Dienstag, 1. Juli 2008

Schwimmlektion die erste!

Gestern waren wir zum ersten Mal mit Vic zum Schwimmen. Naja, und eigentlich ist es ganz gut gelaufen…

Aber der Anfang war schon mal grandios. Wir waren natürlich drin, also in der Halle, weil dort bei dem Wetter wirklich kein Mensch ist. Und Vic stand da am Rand, in überdimensionalen Badeshorts, die bis zu seinen Waden gingen, und beäugte misstrauisch das Wasser - mit einem Blick, als würde er ein ganz besonders ekelhaftes Insekt betrachten. Zum Schießen.

Dann einmal tief Luft holen - und hinein.

Soweit, so gut! Rein theoretisch kann Vic schwimmen… das heißt, er kennt die Arm- und Beinbewegungen, die man machen muss. Wir haben ihm es vorher nochmal gezeigt, da war auch alles klar. Aber im Wasser ist es dann wohl etwas total anderes… denn sobald er sich nach vorne legt und den Boden unter den Füßen verliert, klatscht er noch zwei- oder dreimal mit den Beinen aufs Wasser (das hat er mit paddeln gemeint) - und dann gluck, gluck ist er weg! *gg*

Wir haben es ihm wieder und wieder gezeigt, sind neben ihm her geschwommen - nee, hat nichts genutzt. Dann meinte Chris: "Pass mal auf - leg dich aufs Wasser, ich halte dich am Bauch fest, damit du nicht untergehst, und dann probierst du es nochmal, ok?" Vics Antwort: "Verdammt, lass bloß deine Finger weg, die denken hier sonst noch werweißwas, was wir da machen!" Dabei war gar keiner in der Nähe zum "werweißwas-denken"… *weglach*

Nach einiger Zeit ist dann der Bademeister, der uns schon länger von seiner Kabine aus amüsiert zugesehen hatte, zu uns gekommen. "Was soll das denn hier werden - Schwimmunterricht?" - "Ja, unser Kumpel hier will es noch schnell lernen, bevor er demnächst mit seinem Sohn in Ferien fährt." "Oh, ich verstehe…"

Er ging kurz zurück in seine Kabine und kam dann wieder mit einem Schwimmbrett - so ein leuchtendgelbes Brett, keine Ahnung, aus was das ist, irgendein Kunststoff oder Schaumstoff. "Die benutzen wir bei unseren Schwimmkursen… probier es mal damit, da kannst du dich dran festhalten und die Beinarbeit üben."

Ja, und damit ging es dann tatsächlich ganz gut. Irgendwann hatte Vic die Beinbewegungen soweit drauf, dass er mit dem Brett einmal quer durch das Becken schwimmen konnte. Allerdings hatte er dann auch genug für den ersten Tag, und wir haben uns hinterher noch ein bisschen draußen hingelegt.

Heute werden wir die Koordination von Arm- und Beinbewegungen üben *lach*.

Und ich hatte den Eindruck, dass es ihm trotz allem sogar auch ein bisschen Spaß gemacht hat! ;-)

Sonntag, 29. Juni 2008

Urlaubspläne

Nein, wir nicht! Ich hätte zwar nichts dagegen (wer hätte das schon?), aber wir sind noch nicht wieder an der Reihe. Nein - mein Zwerg Timmy hat heute Morgen angerufen und mir erzählt, dass er übernächste Woche nach Südfrankreich fährt!

Er fährt natürlich nicht mit Jana und Bernd dorthin. Abgesehen davon, dass es finanziell bei den beiden wohl gerade nicht so passen würde, hat Jana ja auch im August ihren errechneten Geburtstermin und schiebt bereits einen riesigen Bauch durch die Gegend. Auf die Idee, wegzufahren, kommt man in einem solchen Zustand wohl nicht *lach*.

Des Rätsels Lösung:

Frédérics Eltern haben für die Sommermonate ein Ferienhaus in Südfrankreich gemietet und ihren beiden Söhnen (ich wusste gar nicht, dass Fréri noch einen Bruder hat) angeboten, doch mit ihren Familien für ein paar Wochen zu ihnen runterzukommen. Es ist offenbar ganz toll… ein großes Haus mit Swimmingpool, nicht weit weg vom Meer, jede Menge Platz.

Und Fréri hat als erstes Jana angerufen und sie gefragt, ob er Timmy anbieten dürfe, mitzufahren. Drei Wochen wollen er und Madeleine unten bleiben. So richtig begeistert war Jana wohl nicht gerade, aber ablehnen wollte sie es natürlich auch nicht *lächel*. Übrigens hatte Madeleine angeboten, auch Marc mitzunehmen, aber der ist nach Janas Meinung dazu noch zu klein.

So hat sie dann ihr OK gegeben, Fréri hat Timmy gefragt - und der Zwerg freut sich jetzt ein Loch in den Bauch und kann vor Aufregung kaum noch schlafen *lach*. Ist immerhin sein erster Urlaub!

Und als er es mir erzählt hat, meinte er zum Schluss noch: "Aber dich komme ich auch irgendwann besuchen - und dann bleibe ich noch viel länger als drei Wochen!" Wahrscheinlich, damit ich jetzt nicht eifersüchtig auf seinen Papa bin. :-)

Freitag, 27. Juni 2008

Ich fall hier gleich vom Stuhl…

… vor Lachen! :-)))

Vorhin hatten wir Besuch… Vic, der Oberrocker! ;-)

Nein, er hat gar nicht viel Zeit… ist mit ein paar Kumpels hier in Nashville, die sind schon weiter zum Bikershop… er wollte uns nur bei der Gelegenheit mal kurz hi sagen… ok, alles klar.

Wir haben noch ein paar Worte gewechselt - und dann kam plötzlich von ihm ein "übrigens… steht euer Angebot noch?" - "Welches?" "Ähem …*räusper*… das mit dem Schwimmen!"

Gut, dass Chris in solchen Situationen so ernst bleiben kann, ich fange immer sofort an zu grinsen. Aber der Indianer hatte die Situation (und sich *fg*!) absolut im Griff! "Schwimmen, Vic? Heißt das, du willst es jetzt doch lernen?" - "Ähem, ja… nein… ich will nicht, aber ich muss wohl…" *ggg*

Erklärung:

Die Jugendgruppe von Vic Junior plant eine Ferienfreizeit irgendwo an einem See. Einziges Manko: es fehlen noch zwei oder drei zusätzliche Betreuer. Die Kids sollten deshalb daheim nachhören, ob sich jemand von den Eltern für eine Woche zur Verfügung stellt und mitfährt - und Klein-Vic hat sofort seinen Daddy vorgeschlagen *hust*.

Chris (immer noch todernst): "Er hat dich vorgeschlagen?" - "Ja verdammt, warum denn nicht? Ist halt stolz auf seinen Daddy, mein Junior! Ich hätte ja auch Zeit und würde es machen - aber die wollen halt, dass die Betreuer schwimmen können." "Prüfen sie das denn vorher?" - "Nee, wohl kaum - aber wie sieht das denn aus, wenn wir an dem See sind und ich dann nicht mit den Kids ins Wasser will? Oder wenn ich rumpaddele wie ein Idiot, und alle dann lachen? Nein, verdammt, ich will das vorher noch lernen, es kann doch nicht so schwer sein!"

Ich hab dann mal vorsichtig nachgefragt, ob es für ihn nicht viel einfacher und bequemer sei, es in der Nähe seines Wohnortes zu lernen, Schwimmvereine gibt es doch überall… "Nee, Danny - ich will das jetzt möglichst schnell lernen und ohne Aufsehen und irgendwo, wo mich keiner kennt! Da komme ich lieber jeden Tag hierher zu euch! Es wird auch nicht so schlimm, ganz ehrlich - ein bisschen kann ich ja schon, ich fange nur immer an zu paddeln, schlage um mich und gehe dann unter. Was ist nun - macht ihr es?"

Ja, wir machen es! Und ich freue mich jetzt schon drauf… hoffentlich gehe dann nicht ich vor lauter Lachen unter… *fg*

Mittwoch, 25. Juni 2008

Nachtrag

Zu meinem letzten Eintrag passt eine Geschichte, die uns Caro erzählt hat…

Caro war vorgestern bei uns oben… eigentlich wollte sie nur fragen, ob sie sich für Seans vierzigsten Geburtstag unsere Jukebox ausleihen können. Wir kamen dann ein bisschen ins Gespräch, sie fragte, wie unsere Vierer-WG liefe, Ben und Eric seien ja wirklich zwei Nette - und so kamen wir auf Ben zu sprechen, auf die Geschichte seines schwierigen Outings, die unglückliche Zeit davor, als er glaubte, unbedingt "normal" sein zu müssen, und die anschließenden Schwierigkeiten mit seiner Familie.

Caro kannte die Story, Ben hat mal mit ihr darüber gesprochen. Und gestern meinte sie dann plötzlich: "Wisst ihr, er hatte trotzdem noch großes Glück! Es hätte viel schlimmer laufen können." Noch schlimmer?

Und als Antwort begann Caro, uns von ihrem Bruder Andy zu erzählen.

Andy ist zwei Jahre jünger als seine Schwester. Sie wuchsen in einem kleinen Kaff in Georgia auf, die Familie hatte dort eine kleine Farm. Werktags gingen sie zur Schule, samstags und sonntags in die Kirche, es gab ein Café und ein von der Kirche betriebenes Vereinsheim, wo sich die Jugendlichen treffen konnten - soweit ok, wenn man es nie anders gewohnt war.

Andy war sechzehn, als ihm klar wurde, dass er auf Männer stand. Er ging damit zu Caro… und Caro war, wie sie sagte, "voller Mitleid und Liebe, aber auch Entsetzen". Und sie riet ihm, sich den Eltern anzuvertrauen, die würden schon wissen, was er tun könne.

Die Eltern reagierten ähnlich wie zuvor Caro - und zogen den örtlichen Pfarrer ins Vertrauen, der ihnen versprach, sich der armen Seele anzunehmen. Fortan musste Andy nach der Schule zum Pfarrer kommen, er wurde in die Gemeindearbeit eingebunden, musste überall mithelfen und zudem viele Einzelgespräche mit dem Pfarrer führen. Und jeden Abend musste er beichten, ob er tagsüber wieder "sündigen Gedanken und Vorstellungen" nachgehangen habe (was wohl immer der Fall gewesen war). Dafür gab es Strafen, die aus weiteren Arbeiten für die Gemeinde, vielen Gebeten und manchmal auch schmerzhaften Dingen bestanden.

Etwa ein Dreivierteljahr hielt Andy es durch, dann gab er auf. Er erzählte dem Pfarrer bei der abendlichen Beichte, dass diese Gedanken allmählich so gut wie nie mehr kämen, tapezierte sein Zimmer mit Postern von vollbusigen Blondinen (was zwar auch nicht gerade gern gesehen, aber immerhin als Fortschritt gewertet wurde) und fing an, mit einem Mädchen aus dem Dorf zu gehen.

Einen Monat später beschloss er, sich das Leben zu nehmen.

Caro hatte Tränen in den Augen, als sie uns davon erzählte. "Glaubt mir, es gab nichts vorher - keinen Hinweis, keine Warnung, keine Andeutung, damit er vielleicht rechtzeitig gefunden und gerettet würde. Es war purer Zufall… ich kam früher als sonst nach Hause, wollte etwas von ihm ausleihen und ging in sein Zimmer, und da saß er da und nahm gerade die Tabletten aus der Packung. Neben ihm stand ein Glas Wasser, und einen Abschiedsbrief hatte er auch bereits geschrieben. Eine halbe Stunde später wäre es vielleicht schon zu spät gewesen."

Sie haben damals lange zusammen geredet, sie konnte ihn von seinem Vorhaben abbringen, stattdessen packte er ein paar Sachen und verschwand noch in der Nacht nach San Francisco… der Stadt, die in seiner Vorstellung das Sinnbild von freiem, unkonventionellem Leben war. Kurz später verließ auch Caro ihr Elternhaus, sie ging nach New York, arbeitete dort als Sekretärin und verwirklichte nebenbei ihren großen Traum… sie wurde Drummerin in einer Gothic-Metal-Band.

Andy kam in San Francisco gründlich unter die Räder… jung und naiv, wie er war, ohne Ausbildung, ohne Freunde. Er hat dort wohl einige unschöne und auch kriminelle Erfahrungen gesammelt. Die Geschwister sahen sich mehrere Jahre nicht, hatten aber immer telefonisch Kontakt. Den Kontakt zu seinen Eltern hatte er - im Gegensatz zu Caro - allerdings ganz eingestellt.

Und eines Tages fragte Andy seine Schwester dann, ob sie bereits sei, jemanden kennenzulernen… jemanden, der ihm sehr viel bedeute.

Das war Tom - der Kerl, mit dem er jetzt noch zusammen ist. Ein Mann, der, wie Caro es beschreibt "wohl schon mit lachendem Gesicht und guter Laune auf die Welt gekommen ist"... immer fröhlich und optimistisch, dazu zwölf Jahre älter als Andy, damals bereits lebenserfahren und in geordneten Verhältnissen lebend. Er bat Andy, zu ihm zu ziehen, vermittelte ihm einen Job und sorgte dafür, dass er die Schulden, die er überall angehäuft hatte, nach und nach zurückzahlte. Von Anfang an machte er ihm klar, dass er ihn liebt und eine ernsthafte Beziehung mit ihm möchte… aber offen und ohne Versteckspiel, egal was die Umgebung dazu sagt. Für ihn war das nicht weiter schwer, er war in einer toleranten Familie aufgewachsen und hatte immer sein eigenes Leben gelebt. Für Andy dagegen war es eine völlig neue Erfahrung - vor allem auch, dass Toms Eltern ihn von Anfang an akzeptierten und wie einen Sohn behandelten.

Die beiden sind zusammen geblieben bis heute. Irgendwann suchte Andy auch wieder den Kontakt zu seinen Eltern, es gab ganz vorsichtige Annäherungen… und inzwischen wird Tom auch zu größeren Festen wie Thanksgiving oder Weihnachten mit eingeladen. Allerdings kommt, so Caro, von ihren Eltern auch heute noch ein "du muss ja nicht so genau erklären, wer er ist, sag doch einfach, er ist ein guter Freund von dir", wenn noch andere Leute eingeladen sind.

Warum muss manchmal alles so kompliziert sein? *seufz*

Dienstag, 24. Juni 2008

nachdenklich...

Wo leben wir eigentlich?

Seit Mitte Juni sind in Kalifornien Eheschließungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern möglich, nachdem das dazugehörige Gesetz irgendwann im Mai verabschiedet wurde. Kalifornien ist damit nach Massachusetts der zweite Staat der USA, der Homo-Ehen erlaubt; daneben gibt es noch eine Handvoll Staaten, die eine Art Zivilvertrag zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern ermöglichen (Tennessee gehört nicht dazu).

Die Presse begleitet das Thema hier überwiegend positiv und bringt nette Berichte, z.B. über zwei Frauen, die bereits die Achtzig überschritten haben und sich jetzt endlich diesen Herzenswunsch, zu heiraten, erfüllen konnten. Oder über den hier sehr populären George Takei ("Mister Sulu" vom Raumschiff Enterprise), der bereits seit vielen Jahren Kampagnen für die gleichgeschlechtliche Ehe führt und das neue Gesetzt jetzt genutzt hat, um umgehend seinen langjährigen Lebensgefährten zu ehelichen. Schön.

Auf der anderen Seite lese ich gerade, dass in Polen im Moment vermehrt kirchliche Umerziehungscamps für Homosexuelle ins Leben gerufen werden. Oder nein, Umerziehung ist hier das falsche Wort… die "Betroffenen" sollen in diesen Camps - selbstverständlich mit Gottes Hilfe - dazu erzogen werden, ihre abnorme Veranlagung als von Gott gegebene Bürde zu akzeptieren, um dann "aus freien Stücken" die Entscheidung zu treffen, diese Veranlagung nicht auszuleben. Weniger schön.

Wann wird es endlich nur noch egal sein, ob jemand einen Partner des gleichen oder des anderen Geschlechts hat? So wie es heute inzwischen auch egal ist, ob ein Paar verheiratet ist oder nicht (früher undenkbar)…

Sonntag, 22. Juni 2008

Ich komme hier gerade zu gar nichts…

Freitag, Samstag und Sonntag Auftritte, alles charity für die Opfer der verheerenden Überschwemmungen im Mittleren Westen.

Was wir tun, ist nichts Ungewöhnliches. Viele Musiker hier geben im Moment Benefizkonzerte zugunsten der Überschwemmungsopfer. Entweder sie spenden ihre Gagen, oder sie verlangen keinen Eintritt für ihre Konzerte und überlassen es stattdessen den Leuten, wie viel sie bezahlen (und damit spenden) möchten. Wir bevorzugen die zweite Variante - sie bringt erheblich mehr ein. Die Menschen sind sehr hilfsbereit.

Die Bilder aus den Überschwemmungsgebieten sind hier rund um die Uhr im TV zu sehen. Es ist sehr schlimm… die unter Wasser stehenden Höfe und Felder, die Menschen, die quasi vor dem Nichts stehen. Und wir werden in den nächsten Jahren hier den Ausfall unserer "Kornkammern" beim Einkauf drastisch zu spüren bekommen.

Ich bewundere einmal mehr die Mentalität der Amerikaner. Aufstehen, einmal kräftig schütteln, weitermachen! Sie sind an Katastrophen gewöhnt, seien es jetzt Überschwemmungen, Brände oder Tornados - auch wenn sie Gott sei Dank nicht immer solche verheerenden Ausmaße haben. Jammern hilft nichts, von Politikern und Regierung ist keine ernsthafte Hilfe zu erwarten - also bete zu Gott, krempel die Ärmel hoch und hilf dir selbst!

Und die Hilfsbereitschaft im Land ist groß. Es wird viel gespendet, die Leute stellen Pakete zusammen mit Kleidern, Decken und Kindersachen… es gibt sogar überall Freiwillige, die sich Urlaub nehmen (unbezahlt!) und in die Überschwemmungsgebiete fahren, um vor Ort mitzuhelfen. Und das sind nicht unbedingt Leute, die eine besondere Beziehung zu den betroffenen Gebieten haben, also dort geboren sind oder Freunde dort haben, sondern einfach Leute, die helfen wollen, weil "ein Paar starke Arme mehr überall willkommen ist".

Das ist der oft belächelte und manchmal auch tatsächlich etwas naive Idealismus der Amerikaner von seiner schönsten Seite!

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